Auf dem Weg zu einer Theorie der subtilen Energien

Teil III: Details, Reinkarnation, Chakren

 

(gekürzt zitiert aus: Ken Wilber, „Auszug G – Auf dem Weg zu einer umfassenden Theorie der subtilen Energien; Quelle: http://if.integralesforum.org/uploads/media/01_excerpt_g.pdf; deutsche Übersetzung von Monika Frühwirth und Michael Habecker; fett gedruckte Hervorhebungen von Carsten Rachow)

 

Verfeinerungen

Ich erwähnte, dass wir uns die Beziehungen zwischen Energien und Bewusstsein entsprechend den Traditionen wie Vedanta und Vajrayana noch genauer ansehen würden; ebenso das diffizile Thema Reinkarnation oder Seelenwanderung; und eine verfeinerte Klassifizierung subtiler Energien (nach Familie, Gattung und Art) vorstellen.

 

Beginnen wir mit den Beziehungen. … Entsprechend Vedanta/Vajrayana gibt es drei bedeutende Bewusstseinszustände, welche mit drei wesentlichen Körpern in Beziehung stehen (bzw. Masse-Energie-Bereichen), und fünf wesentliche Ebenen/Strukturen des Bewusstseins. Die drei Zustände sind Wachen, Träumen und Tiefschlaf. Die drei Körper sind grobstofflich, subtil und kausal. Die fünf Ebenen/Hüllen sind die fünf koshas, welche ich schon erwähnt habe (grobstofflich-materiell, emotional-pranisch, mental, höher mental, übermental).

 

Die Entsprechungen bei einem Durchschnittsmenschen sind wie folgt: Der Wachzustand, welcher ein materielles Bewusstsein hat, steht in Beziehung (und wird unterstützt) durch einen grobstofflichen Körper/Energie. Der Traumzustand enthält (bzw. kann enthalten) die drei Ebenen emotional, mental und höher mental, und wird unterstützt durch einen subtilen Körper/Energie. Und der Tiefschlaf, welcher das übermentale Bewusstsein enthält, wird unterstützt durch einen kausalen Körper/Energien.

 

Das großartige an diesem Schema ist, dass Bewusstseinsstrukturen, Bewusstseinszustände und Energien auf eine einfache, elegante Art miteinander in Beziehung gesetzt werden, eine Art und Weise, welche immer noch unübertroffen ist (siehe Tab. 2). …

 

 

Bewusstseinszustände

Ebene/Struktur/Hülle

des Bewusstseins

Körper/Energie

Tiefschlaf (formlos)

5. anandamayakosha

kausaler Körper (GEIST-Seligkeit)

Träumen

4. vijnanamayakosha

subtiler Körper (4. höherer Geist)

(3. Geist)

(2. emotional-sexuell)

3. manomayakosha

2. pranamayakosha

Wachen

1. annamayakosha

grobstofflicher Körper (sensomotorisch)

 

Tab. 2: Entsprechungen von Bewusstseinszuständen, Bewusstseinsstufen und Körper-Energien

 

 

Beginnen wir mit der Frage, warum Vedanta/Vajrayana behaupten, dass der Wachzustand nur eine Bewusstseinsebene enthält, der Traumzustand jedoch drei Bewusstseinsebenen. Nach Vedanta/Vajrayana wird der Wachzustand vorrangig durch die Bewusstheit grobstofflich sensorischer Gegenstände definiert: man sieht Felsen, Bäume, Flüsse, Städte, Autos, Planeten usw., alles grobstofflich sensorische Objekte oder Körper (deshalb die Bezeichnung grobstofflicher Bereich). Es gibt andere Dinge, derer man sich im Wachzustand bewusst sein mag, aber, wenn man Felsen sehen kann, dann ist man sich des grobstofflichen Bereiches gewahr.

 

Träumt man jedoch, ist man sich keiner Felsen, Bäume, Flüsse, Städte oder anderer grobstofflicher Objekte bewusst. Man kann sich jedoch Emotionen, Bilder, Vorstellungen, Visionen, Archetypen usw. bewusst sein – mit anderen Worten können alle drei mittleren Bewusstseinsebenen im Traumzustand auftauchen, und das bedeutet, dass die drei mittleren Bewusstseinsebenen alle durch den gleichen subtilen Körper unterstützt werden. (Dies bedeutet nicht, dass dieser subtile Körper/Energie nicht noch unterteilt werden kann, er kann tatsächlich unterteilt werden, so wie das Vedanta und Vajrayana es tun; aber es bedeutet, dass alle Formen subtiler Energie Gattungen dieser Familie sind).

 

Sobald man jedoch in den traumlosen Tiefschlaf eintritt, hören selbst diese Bewusstseins- und Energieebenen auf, und es gibt nur noch ein weites, praktisch unendliches, übermentales Bewusstsein – ein selig-leuchtendes und beinahe formloses Bewusstsein … - welches von einem kausalen Körper/Energie getragen wird … .

 

Einer der vielen Gründe, warum ein derartiges Modell wichtig ist, besteht darin, dass es uns erlaubt, einige sehr ineinander verwobene und ansonsten verwirrende Beziehungen zwischen Zuständen und Stufen zu erfassen. … Für Vedanta und Vajrayana geht es bei diesem Schema vor allem darum, dass Menschen, sobald sie sich sehr weit entwickelt haben – oder erleuchtet sind -, sich dann bewusst durch alle fünf Ebenen/Stufen des Bewusstseins hindurch verwirklicht haben; und sie so dauerhaften Zugang zu den Zuständen des Wachens, Träumens und Tiefschlafes haben und diese bezeugen können; ein derartiges Zeugenbewusstsein wird turiya genannt (oder „der Vierte“, was auf den vierten großen Zustand jenseits von Wachen, Träumen und Schlafen hinweist); und vereint dann den leeren, unqualifizierbaren Zeugen mit der gesamten Formenwelt (eine nichtduale Verwirklichung, welche turiyatita oder sahaja genannt wird: „spontan“ und „einfach so“).

 

 

Eine verfeinerte Klassifizierung der subtilen Energien

Wir verwenden das übliche „Familie, Gattung, Art“-Schema, kombiniert mit der Terminologie aus Tabelle 1 (siehe Teil II), um unsere (vorgeschlagenen) Schlussfolgerungen zusammenzufassen.

 

Die drei großen Energiefamilien sind: grobstofflich, subtil und kausal. (Wenn notwendig, können wir die Familie turiya und die Familie turiyatita hinzufügen.)

 

 

Familie

Gattung

Art

grobstoffliche Energien

Gravitation

 

Elektromagnetismus

(1)kosmische Strahlung

(2)Gammastrahlung

(3)Röntgenstrahlung

(4)sichtbares Licht

(5)infrarot

(6)Mikrowellen

usw.

stark nuklear

(1)Baryonen

(2)Hadronen

(3)Mesonen

usw.

 

schwach nuklear

 

 

subtile Energien

ätherisch (L-1, Biofeld-1)

(1)viral

(2)prokaryotisch

(3)neuronal

(4) neuronaler Nervenstrang

usw.

astral (L-2, Biofeld-2)

(1)Reptilienstammhirn

(2)limbisches System

usw.

psychisch-1 (G-1)

mental-1 (rot)

mental-2 (blau)

mental-3 (orange)

mental-4 (grün)

psychisch-2 (G-2)

höheres Mental-1 (gelb)

höheres Mental-2 (türkies)

höheres Mental-3 (koralle)

 

kausale Energien

kausales Feld (K-Feld)

übermental:

(1)nirvikalpa

(2)jnana

usw.

 

Tab. 3: Klassifizierung der subtilen Energien nach Familie, Gattung und Art

 

 

Lassen Sie mich noch einmal betonen, dass vieles bei diesem Thema eine Sache der Semantik und sprachlicher Vereinbarung ist (einschließlich der Anzahl von Ebenen, welche wir vernünftigerweise annehmen). Diese Klassifizierung stellt einfach eine Reihe von Vorschlägen dar, von denen ich glaube, dass sie das Minimum dessen sind, was benötigt wird, um eine integrale Theorie zu entwickeln.

 

 

Reinkarnation

Wir kommen nun zum kontroversesten Thema im Zusammenhang mit subtilen Energien, und zwar dem Thema Reinkarnation bzw. Seelenwanderung. Ich zögere, wenn es darum geht, hierüber etwas auszusagen, denn jede Stellungnahme wirkt sofort auf die andere Hälfte der Zuhörerschaft befremdend.

 

Ich selbst glaube, dass Reinkarnation stattfindet; im Augenblick jedoch geht es mir vor allem darum, einen Ablauf vorzuschlagen, wie Reinkarnation stattfinden kann, und nicht so sehr um die Argumentation, ob sie stattfindet oder nicht. Nehmen wir einfach einmal an, dass Reinkarnation stattfindet, und fragen wir uns, wie das mit der Hypothese Nr. 3 in Einklang zu bringen ist, nämlich, dass subtile Energien mit der Komplexifizierung grobstofflicher Formen verbunden sind. Mit dem Tod löst sich die grobstoffliche Form eindeutig auf; was geschieht mit den subtilen Energien, wenn diese an diese grobstofflichen Formen gebunden sind?

 

An dieser Stelle entscheidet man sich einfach, ob Reinkarnation existiert oder nicht. Wenn man nicht daran glaubt, dass Reinkarnation existiert, bedarf die integrale Theorie subtiler Energien, welche ich bis hierher präsentiert habe, keiner weiteren Ergänzung (jedenfalls nicht in Bezug auf Reinkarnation). Glaubt man jedoch an Reinkarnation, dann muss eine integrale Theorie in der Lage sein, diesen Vorgang aufzunehmen. Das ist durch das Hinzufügen einer weiteren Hypothese möglich, wie folgt:

 

Nr. 4: Die Komplexität grobstofflicher Form ist sowohl für den Ausdruck oder die Manifestation von einem höheren Bewusstsein, wie auch von subtilerer Energie notwendig.

 

Hypothese Nr. 4 schafft die Möglichkeit, dass die höheren Formen von Bewusstsein und Energie (d.h. höher als der Bereich der grobstofflichen Familie) ontologisch nicht an die Komplexifizierung grobstofflicher Formen gebunden sind, sondern sie als Träger für den Ausdruck von subtilen Energien im grobstofflichen Bereich selbst benötigen. Es ist – mit anderen Worten – nicht so, dass höheres Bewusstsein und Energien aus einer ontologischen Notwendigkeit heraus an die Komplexität grobstofflicher Formen gebunden sind, sondern, dass sie eine entsprechende komplexe Form grobstofflicher Materie benötigen, um sich selbst auszudrücken, bzw. sich in und durch den materiellen Bereich zu manifestieren.

 

Die Frage, ob das stimmt oder nicht, ist die eine Seite; aber wenn es stimmt, dann muss etwas in der Art von Hypothese Nr. 4 ausgesagt werden. Das Vermeiden dieser Hypothese ist gleichbedeutend mit dem Vermeiden des gesamten Themas. …

 

Mit der Hypothese Nr. 4 würde die integrale Theorie – zumindest in diesem speziellen Punkt – sich wieder der traditionellen Vedanta/Vajrayana-Konzeption annähern, jedoch mit einigen wenigen, aber wichtigen Ausnahmen (welche die meisten metaphysischen Postulate eliminieren, von denen diese Vorstellungen getragen werden, bei gleichzeitiger Akzeptanz all der relevanten Daten, die es zu erklären gilt). …

 

Die Grundaussagen des Vedanta/Vajrayana-Modells bezüglich Reinkarnation lauten:

 

Es ist richtig, dass es keinen Geist/Verstand ohne einen ihn unterstützenden Körper gibt und keinen Köper ohne einen Geist/Verstand, der ihn leitet („Geist“ meint „Bewusstsein“ und „Körper“ meint „Masse-Energie“; mit anderen Worten … hat jeder Bewusstseinszustand und jede Bewusstseinsstufe (im Inneren) eine Masse-Energie-Körper-Entsprechung (im Äußeren)). Kurz gesagt haben sowohl für Vedanta wie auch für Vajrayana der grobstoffliche Geist einen grobstofflichen Körper; der subtile Geist einen subtilen Körper; und der kausale Geist einen kausalen Körper. Wir können sie einfach als der grobstoffliche Körpergeist, der subtile Körpergeist und der kausale Körpergeist benennen.

 

Auch wenn es für Vedanta/Vajrayana keinen Geist ohne einen Körper gibt, kann doch der subtile Körpergeist ohne den grobstofflichen Körpergeist existieren, und der kausale Körpergeist kann ohne die beiden anderen existieren. Daher kann Seelenwanderung stattfinden, auch wenn es keinen Geist ohne einen Körper gibt.

 

Diese Aussage lässt sich … auf verschiedene Weisen bestätigen. Erstens ontologisch: Während der Involution – von der gesagt wird, dass sie im Wesentlichen in den Bardo-Bereichen der Reinkarnation oder Seelenwanderung stattfindet … -, wenn sich der GEIST nach außen verströmt, erschafft er einen kausalen Körpergeist. Der kausale Körpergeist existiert eindeutig ohne sowohl einen subtilen Körpergeist wie auch einen grobstofflichen Körpergeist, da beide noch nicht erschaffen wurden.

 

Zweitens phänomenologisch: Sobald man sich jede Nacht schlafen legt und zu träumen beginnt, existiert kein grobstofflicher Körpergeist, und man befindet sich überwiegend in einem subtilen Körpergeist; ähnlich auch beim Übergang in den traum- und formlosen Tiefschlaf, wo es weder einen grobstofflichen noch einen subtilen Körpergeist gibt, sondern nur einen kausalen Körpergeist; und daher können phänomenologisch die übergeordneten Körpergeist-Einheiten unabhängig von ihren untergeordneten (Junioren) existieren.

 

Drittens existiert man in bestimmten außergewöhnlichen Wachzuständen – wie außerkörperlichen Erfahrungen (oder „Astralreisen“) – in einem subtilen Körpergeist und nicht nur in einem grobstofflichen Körpergeist. Und ebenso existiert man in formlosen meditativen Zuständen in einem kausalen Körpergeist, und nicht in einem subtilen oder grobstofflichen Körpergeist.

 

Die Traditionen behaupten daher, dass mit dem physischen Tod und der Auflösung des grobstofflichen Körpergeists die Seele, welche jetzt in einem subtilen Zustand existiert und von einer sehr realen, jedoch subtilen Energie (bzw. einem subtilen Körper) getragen bzw. unterstützt wird, durch eine Reihe von Bardo-Bereichen oder Stationen solange „wandert“, bis sie sich aufgrund verschiedener karmischer Faktoren zu einem neuen grobstofflichen Körpergeist hingezogen fühlt, woraufhin eine Wiedergeburt in einem physischen Körper stattfindet.

 

Daher heißt es, dass die allgemeine subtile Körper/Energie (d.h. die Familie „subtile Energie“) verschiedene Geistesbereiche oder Zustände oder Bewusstseinsstufen unterstützt, einschließlich: (1) den Traumzustand in allen Menschen; (2) meditative formgebundene Zustände; (3) verschiedene außergewöhnliche Zustände (z.B. außerkörperliche Erfahrungen, Nahtod-Erfahrungen); (4) und den Bardo-Bereich der Seelenwanderung.

 

Aus diesem Grund wird beispielsweise auch gesagt, dass – wenn man zu Lebzeiten Meditation praktiziert, und dabei lernt, bei vollem Bewusstsein in den Traumzustand einzutreten (luzides Träumen) -, man dann in der Lage ist, bis zu einem gewissen Grad den Verlauf der Wiedergeburt während des Bardo zu kontrollieren, weil die Meisterung des einen zugleich die Meisterung des anderen bedeutet: es sind durchaus dieselben Bereiche.

 

Hypothese Nr. 4 schlägt daher vor, dass ein subtiles Bewusstsein, unterstützt durch eine sehr reale, wenngleich auch subtile Masse-Energie für ihre grundsätzliche Existenz nicht auf den grobstofflichen Bereich angewiesen ist, wenngleich ein bestimmter Grad einer Komplexifizierung grobstofflicher Materie-Energie erforderlich ist, um sich im grobstofflichen Bereich zu manifestieren. Wenn die Hypothese Nr. 4 stimmt, dann können wir begründet erklären, warum diese subtileren Dimensionen, obgleich sie als Potential während der Involution erschaffen wurden und dort auch existieren, sich nicht manifestieren können, solange, bis die Evolution im grobstofflichen Bereich einen bestimmten Grad der Komplexität erreicht hat. Es bedarf zunehmend komplexerer Träger für zunehmend höhere Bereiche; wenn diese höheren Bereiche sich manifestieren, dann sind sie nicht von der Komplexifizierung der Formen getrennt, sondern leuchten wegen ihnen und durch sie hindurch: noch einmal, selbst unter Verwendung von Hypothese Nr. 4 sagen wir nicht, dass die höheren Bereiche über der Materie stehen, sondern sie sind in ihr. Die Hypothese Nr. 4 fügt etwas hinzu: Auch wenn die höheren Bereiche sich in der Materie und als sich selbst manifestieren, können sie doch ohne die grobstoffliche Familie der Materie existieren.

 

Daher kann sich ätherische Energie erst dann manifestieren, wenn grobstoffliche Materie die komplexe Form einer lebenden Zelle angenommen hat (ein Quark ist nicht komplex genug, um ätherische, psychische oder kausale Energie zu „enthalten“ oder zu kanalisieren). Mit der weiteren Komplexifizierung grobstofflicher Formen – vorangetrieben durch die Tatsache, dass selbst die Steine sich erheben und nach Gott rufen – können immer subtilere Dimensionen von Energie und Bewusstsein durch sie hindurch leuchten, bis der gesamte Kosmos mit dem strahlenden GEIST ihrer Quelle und Soheit erstrahlt.

 

Dementsprechend kann ein subtiler Körpergeist von einer grobstofflichen Manifestation zu einer anderen wandern, ebenso wie Wärme sich von einem Objekt zu einem anderen übertragen kann; aber es braucht zu dieser Manifestation einen komplexen grobstofflichen Körpergeist – und darüber hinaus erfordert jede wahrhaft integrale Verwirklichung die Erleuchtung des grobstofflichen Körpergeist, des subtilen Körpergeist und des kausalen Körpergeist – und deshalb behaupten die Traditionen, dass nur Menschen (und nicht Engel, Halbgötter oder Götter) Erleuchtung erlangen können. Nur Menschen haben alle drei Körper.

 

Die Gegebenheit, dass der subtile (und kausale) Körpergeist von einem Körper zu einem anderen Körper wandern kann, ist tatsächlich metaphysisch; doch die Tatsache, dass diese subtileren Energien als reale, konkrete, wahrnehmbare und oft messbare – wenn auch subtile – Energien postuliert werden, verhindert, dass das ganze Konzept sich im Dunst purer Metaphysik verflüchtigt. Wenn man die Hypothese Nr. 4 im Zusammenhang mit den ersten drei Hypothesen liest, dann denke ich, dass erkennbar wird, das sie zumindest miteinander vereinbar sind; und daher glaube ich, dass eine integrale Theorie der subtilen Energien Raum für das Vorhandensein von Seelenwanderung hat, vorausgesetzt, wir entscheiden uns dafür, dass es für das Auftreten von Seelenwanderung genug Beweise gibt.

 

 

Die Chakren

Meiner Meinung nach besteht der wirkliche Test einer jeden Theorie über subtile Energien darin, ob sie angemessen die Chakren erklären kann. Das Chakra-System ist sowohl wunderbar einfach wie auch verwirrend kompliziert, aber seine Berücksichtigung ist eine Grundvoraussetzung für jede Theorie subtiler Energien. …

 

Es gibt dutzende, vielleicht hunderte Varianten des Chakra-Systems in den verschiedenen Traditionen. Ich gebe … eine extrem verkürzte Darstellung und verwende … den zusammenfassenden Überblick der Chakren von Hiroshi Motoyama. …

 

Zum einen sind die Chakren tatsächlich Stufen einer evolutionären Entfaltung: „Im Verlauf des spirituellen Wachstums muss ein Mensch die evolutionäre Leiter Stufe für Stufe durch diese höheren Dimensionen hindurch aufsteigen, und so Schritt für Schritt seine Bewusstheit für diese höheren Bereiche erhöhen.“

 

Und jetzt zum schwierigen Teil. Jedes Chakra muss grobstoffliche, subtile und kausale Energien enthalten, und ebenso die dazugehörigen Bewusstseinszustände (weil sogar auf der untersten Ebene der Entwicklung – dem ersten Chakra – ein Säugling wacht, träumt und schläft, und einen grobstofflichen, subtilen und kausalen Körper besitzt). Zusätzlich zur Darstellung einer speziellen Entwicklungsstufe muss daher jedes der 7 Chakren drei Körper/Energien und drei Geistformen/Zustände enthalten. Motoyama: „Die Chakren sind die Zentren des Energiesystems des Körpers, welches in jedem der drei verschiedenen Dimensionen existiert: grobstofflich, subtil und kausal.“ Das bedeutet, dass jedes Chakra diese drei Dimensionen hat, und darum ist jedes Chakra auch ein Vermittler zwischen den grobstofflichen, subtilen und kausalen Energien, die in jedem Chakra kreisen: „Die Chakren fungieren als Vermittler zwischen den drei Dimensionen (grobstofflich, subtil, kausal), und können die Energie einer Dimension in die einer anderen verwandeln.“ …

 

Gleichzeitig, mit der sich entfaltenden Entwicklung bzw. Evolution, kann jedes der sieben Chakren geöffnet und bewusst erfahren werden, und sie wirken dann als konkrete Stufen … der Evolution. … Die sieben Chakren sind sieben Ebenen/Stufen der … Evolution. Jede dieser Ebenen existiert in drei Haupt-Dimensionen: grobstofflich, subtil und kausal. In der grobstofflichen Dimension sind die Chakren mit den Organen und Systemen des Körpers verbunden, wie z.B. den Genitalien, dem Solarplexus, dem Herzen, dem Kehlkopf, und der Hirnanhangdrüse. In der subtilen Dimension erscheinen die Chakren so, wie sie meist dargestellt werden, als die subtilen Zentren der Energie und des Bewusstseins, angeordnet entlang der Wirbelsäule (mit sekundären Meridianen wie sie z.B. in der Akupunktur dargestellt sind). In der kausalen Dimension sind die sieben Stufen derart subtil und feinstofflich, dass sie ihre definierenden Merkmale zu verlieren beginnen, doch sie sind immer noch gegenwärtig als der kausale Grund und als Unterstützung aller Junior-Ebenen und Dimensionen – Vajrayana nennt sie „die sehr subtilen Chakren“.

 

… Motoyama weist darauf hin, dass jedes Chakra wie eine Schaltstelle zwischen diesen drei Energien (grobstofflich, subtil, kausal) – so, wie sie in diesem Chakra auftreten – fungiert (z.B. kann das Kehlkopfchakra die grobstoffliche Energie der Nahrung in subtile Energie umwandeln, oder kausale in subtile Energie umwandeln usw.). Darüber hinaus wirkt jedes Chakra als Vermittler zwischen Körper/Energie und Bewusstsein/Geist dieses Chakras (z.B. vermittelt das Kehlkopfchakra die grobstofflichen, subtilen und kausalen Energien mit den Zuständen des Wachens, Träumens und des Tiefschlafes auf dieser Ebene). Jedes Chakra enthält – mit anderen Worten – auf seiner Ebene die Familie des grobstofflichen Körpergeistes, die Familie des subtilen Körpergeistes und die Familie des kausalen Körpergeistes; und es fungiert sowohl als Vermittler zwischen diesen drei Energien untereinander als auch zwischen den verschiedenen Energien und ihren entsprechenden Geisteszuständen. …

 

Wie ich schon sagte, ist das Chakra-System sowohl wunderbar einfach wie auch verwirrend kompliziert, aber insgesamt betrachtet ist es das einfachste Modell, welches auf eine angemessene Weise mit drei Sachverhalten – deren Existenz wir kennen – umgehen kann: Bewusstseinszustände, Bewusstseinsstufen, und die damit in Verbindung stehenden Energien, all das kann ziemlich nahtlos in einem derartigen Modell mit einander verwoben werden. Mehr wird derzeit nicht benötigt; und weniger wäre unzureichend.

 

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„Weniger wäre unzureichend – ich habe die integrale Theorie der subtilen Energien von Ken Wilber ausgewählt, weil mir keine bessere Quelle bekannt ist, um allen an Bewusstsein, Energie und Heilung Interessierten einen verbindenden gedanklichen Rahmen – den wir ergänzen, verfeinern, verbessern können – zu bieten. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass etwa ein Geistiger Heiler auf die eine oder andere Weise – bewusst oder unbewusst – Einfluss nimmt auf die hier vorgestellten Körper-Energien. Und es sollte offensichtlich geworden sein, dass ihm umso höhere und subtilere Energien zur Verfügung stehen, je stabiler er selbst von einer höher entwickelten Bewusstseinsstufe aus agiert.

 

Eine solche höhere Stufe ist für mich das mehr oder weniger dauerhafte Aufleuchten der Liebe im Antlitz, in Sprache und im Verhalten eines Menschen. Doch Vorsicht: So, wie es Stufen der Entwicklung und Stufen des Bewusstseins gibt, gibt es natürlich auch Stufen der manifesten Liebe, die ein Mensch verkörpert. Auch im in sich selbst verliebten Narzissten und Egozentriker leuchtet eine Form der Liebe auf – die jedoch ‚meilenweit’ entfernt ist von der verzeihenden, umarmenden und annehmenden Liebe für einen Anderen. Sie sollten darauf achten, wenn Sie Beistand und Anregung suchen.“

 

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