Gott oder GEIST - Sind Sie das: "Spirituell, aber nicht religiös"?
Heilung und Selbstheilung benötigen Bewusstheit. Ein Heiler benötigt mindestens einen klug urteilenden Geist, andernfalls richtet er durch das, „was aus seinem Munde herausgeht“, Schaden an. Der Patient benötigt mindestens achtsame Ich-Bewusstheit, andernfalls bleibt er zeitlebens leidendes „Opfer der eigenen Unbewusstheit“.
Der folgende Text dient Ihrer Bewusstheit in ganz besonderem Maße. Mit seiner Hilfe können Sie vielleicht beginnen zu erkennen, was die integralen Forschungen den „Prä-/Trans-Irrtum“ nennen. Zumindest sollten Sie fähig sein, seine ihn begründende Herleitung und psychologische Struktur wahrzunehmen. Allein dieses zusätzliche Erkennen wird Ihnen helfen, nicht blinden Geistes in die falsche Richtung zu laufen. Gibt es denn eine „falsche“ Richtung – in einer Welt, die doch angeblich kein „richtig“ und kein „falsch“ kennen darf, weil wertende Urteile dieser Art ja zutiefst „unspirituell“ sein sollen? – Nun, sicher gibt es eine richtige Richtung in Ihrer menschlichen Entwicklung – und ergo auch eine falsche. Probieren Sie es einfach aus: Gehen Sie weiter in der Richtung, in der Sie schon immer unterwegs waren. Lesen Sie die gleichen Bücher, treffen Sie die gleichen Leute, bleiben Sie in der gewohnten Kultur. Und wenn Sie dann feststellen, dass Ihre Leiden kleiner geworden sind, dass Sie so etwas wie Sinn, Freude, Erfüllung, Ich-Stärkung und beginnende Ego-Transzendenz gefunden haben, dann war es die richtige Richtung.
Im gegenteiligen Falle laufen Sie vermutlich in Richtung „Prä“ – und dann sollten Sie schnellstens „umkehren“ und einen Pfad suchen, der Sie in Richtung „Trans“ führt.
Ihr
Carsten Rachow
Sind Sie das: „Spirituell, aber nicht religiös“?
(gekürzt zitiert aus: Ken Wilber, „Integrale Vision“, Kösel-Verlag 2009;
fett gedruckte Hervorhebungen und blaufarbige Ergänzungen von Carsten Rachow)
Die Prä-/Post-Verwechslung
… Forscherinnen und Forscher haben herausgefunden, dass die höchsten Stufen der kognitiven, moralischen und Ich-Entwicklung alle eine transpersonale oder spirituelle Färbung haben. Wir wollen das „Spiritualität auf höchster Ebene“ nennen und dies als eine von mehreren wichtigen Bedeutungen von „spirituell“ festhalten. (Wir werden diesen Aspekt von Spiritualität auch als trans-rationale und transpersonale Spiritualität bezeichnen.)
Aber beachten Sie bitte auch ein merkwürdiges, faszinierendes Phänomen: Einige der trans-rationalen und transpersonalen Stufen ähneln, oberflächlich betrachtet, prä-rationalen und präpersonalen Stufen.
Weil prä-konventionelle Stufen und post-konventionelle Stufen beide nicht-konventionell sind, werden sie verwechselt und vom ungeschulten Auge sogar gleichgesetzt. Prä-rationale Stufen werden einfach aus dem Grund mit trans-rationalen Stufen verwechselt, weil beide nicht rational sind; prä-egozentrische werden mit trans-egozentrischen Stufen verwechselt, weil beide nicht egozentrisch sind; transverbal wird mit präverbal verwechselt, weil beide non-verbal sind usw.
Diese Verwirrung ist bekannt als Prä-/Trans-Verwechslung oder Prä-/Post-Verwechslung. Wenn es erst einmal dazu kommt, begehen Menschen den einen oder den anderen von zwei großen Fehlern. Entweder sie reduzieren sämtliche trans-rationalen Realitäten auf prä-rationales kindisches Gebrabbel (denken Sie an Freud), oder sie verleihen prä-rationalen, kindischen Bildern und Mythen einen trans-rationalen Glorienschein (denken Sie an Jung). Sowohl der Reduktionismus als auch der Elevationismus haben die Diskussion um Spiritualität von Anfang an negativ beeinträchtigt, und deswegen besteht einer der ersten Beiträge eines wirklich integralen Ansatzes darin, einen Ausweg aus diesem speziellen Albtraum zu weisen.
Ein prä-rationaler mythischer Gott und ein trans-rationaler unitiver GEIST
Wir müssen zumindest erkennen, dass es, wie bedeutsame wissenschaftliche und empirische Forschungen zeigen, Entwicklungsstufen gibt, die prä-rationale, kindische, prä-konventionelle, narzisstische Phantasien beinhalten, und solche, die post-konventionelles, trans-rationales, ich-bewusstes, post-autonomes, trans-personales Gewahrsein beinhalten. Die ersten (d.h. die Stufen der magisch-animistischen, mythischen Mitgliedschaft) stellen die höchste Realität tatsächlich als freundlichen alten Herrn mit weißen Haaren und langem Bart im Himmel dar, oder als jemanden, der auf dem Wasser wandelt und von einer biologischen Jungfrau geboren wurde, oder als weisen Alten, der bei seiner Geburt 900 Jahre alt war, usw. All diese prä-rationalen Mythen gelten als buchstäbliche Wahrheiten. Aber den zweiten, den post-konventionellen Stufen stellt sich die höchste Realität als nicht-dualer Urgrund des Seins dar, als Zustand zeitloser Präsenz oder post-rationales (nicht prä-rationales und nicht anti-rationales) Einheitsbewusstsein. Der Unterschied zwischen diesen beiden ist tatsächlich so groß wie zwischen Nacht und Tag, und die Morgendämmerung der Vernunft scheidet sie.
Wenn wir alle wissenschaftlichen Forschungen über menschliche Entwicklung zusammenbringen, wird deutlich, dass es tatsächlich zumindest diese drei breiten Hauptbögen psychologischen menschlichen Wachsens gibt: von präpersonal zu personal zu transpersonal, oder von prä-rational zu rational zu trans-rational, oder von unbewusst zu ich-bewusst zu super-bewusst. (Statt von „drei Hauptbögen“ spricht die integrale Forschung häufig auch vom „ersten, zweiten und dritten Rang“. Siehe dazu auch: „Stufen des Bewusstseins“) Jede der Stufen in diesen Bögen transzendiert kontinuierlich ihre(n) Vorgänger und bezieht ihn (sie) mit ein. Und während sie sich entwickelt, umhüllt jede der neuen Ebenen ihren Vorgänger – eine Entwicklung, die Umhüllung ist -, sodass der kumulative Effekt tatsächlich integral ist, genauso wie bei der Entwicklung von Atomen zu Molekülen zu Zellen zu Organismen. Nichts geht verloren, alles bleibt erhalten in der außergewöhnlichen Entfaltung und Umhüllung, Transzendierung und Einbeziehung, Negierung und Bewahrung, welche die Evolution des Bewusstseins ist.
Wir fragen an diesem Punkt nicht, ob es tatsächlich einen „realen“ GEIST oder einen Urgrund des Seins gibt. (Die Antwort auf diese Frage finden Sie hier: „Ist Gott oder GEIST real oder nicht?“) Wir fragen vielmehr, ob diese drei großen Bögen (oder, etwas anders unterteilt, drei großen Ränge) menschlicher Entwicklung existieren, und die Antwort lautet, dass jede empirische Untersuchung, die sich den gesamten Verlauf menschlicher Entwicklung genau angeschaut hat, zu einem Ja gelangt ist. Wer die Stufen überbewussten und transpersonalen Gewahrseins leugnet, leugnet eindeutig und absolut das wissenschaftliche Beweismaterial. Und offen gesagt: Wir sind ebenso wenig verpflichtet, diese Sichtweisen zu berücksichtigen, wie wir die Kirchenmänner ernst nehmen müssen, die sich weigerten, durch Galileos Teleskop zu schauen, weil sie bereits „wussten“, was sie sehen würden.
Wenn wir uns jetzt also jener faszinierendsten aller Fragen zuwenden und tatsächlich fragen, ob es einen wirklichen Urgrund des Seins, einen echten GEIST, einen realen Gott gibt, der allen Phänomenen zugrunde liegt, wen könnten wir dann besser fragen als die Individuen, die sich auf den höheren oder höchsten Ebenen – den transpersonalen Ebenen – der Entwicklung befinden? Und wenn wir sie fragen, was antworten sie uns?
Nun, wiederholen wir erst einmal, dass jeder dieser drei großen Hauptbögen seine eigene Vorstellung davon hat, was höchste Realität ist. Wir haben gesehen, dass im ersten Bogen, der zur Rationalität aufsteigt, die höchste Realität als magische und mythische in der Natur gesehen wird. Hier sind, um es ehrlich zu sagen, etwa 80 % der Lehren der Hauptreligionen der Welt angesiedelt, von der schintoistischen und christlichen bis zur islamischen, hebräischen, hinduistischen, buddhistischen und taoistischen, darunter auch vieles von der New-Age-Magie.
Dann tritt die menschliche Entwicklung in eine Phase ein, die nicht-religiös und sogar anti-religiös zu sein scheint. Das betrifft alle Stufen des zweiten Hauptbogens, den Bogen der Person und der Vernunft. Hier tritt die rationale Wissenschaft in den Vordergrund und ist für die Menschheit, was die Reduzierung von Leid und die Verlängerung des Lebens betrifft, mit außergewöhnlichen Wohltaten verbunden. Wenn es um Seuchen, Hunger, Krankheit und Kindersterblichkeit geht, hat die rationale Wissenschaft mehr ganz konkretes menschliches Leid gelindert als alle prä-rationalen, mythischen Religionen zusammen. Es geht hier nicht darum, dass Wissenschaft missbraucht werden kann, sondern dass ihre positiven Errungenschaften geradezu verblüffend und nicht zu leugnen sind.
Und gerade als es so auszusehen begann, als ob alles Religiöse und Spirituelle fortan nur noch menschliche Vergangenheit ist, Relikte der archaischen Geschichte, kam der dritte Hauptbogen ins Spiel. Aufbauend auf den Errungenschaften rationalen Wissens, beginnt die Entwicklung sich zu transzendieren und die Rationalität in noch umfassendere Kreise von Anteilnahme und Bewusstsein mit einzubeziehen. Hier wird die höchste Realität nicht mit den anthropomorphischen (d.h. „menschenähnlichen“) Begriffen erfasst, die den ersten Bogen färben, und nicht mit den rationalen Begriffen, die den zweiten Bogen färben, sondern mit Begriffen wie Sein, Leerheit, Bewusstsein und So-Sein – Begriffen wie Urgrund allen Seins; universales Bewusstsein; nichtduales So-Sein oder nicht-duale Ist-heit; eine weite, offene, leere, leuchtende Klarheit; ein spiegelähnliches Zeugen-Gewahrsein; eine Göttlichkeit vor jeder Dreifaltigkeit; ein reines, unendliches, transzendentales, selbstloses Selbst; ein grenzenloses, weitläufiges, strahlendes, uneingeschränktes und nicht qualifizierbares Bewusstsein als solches; eine zeitlose, endlose, ewige Präsenz oder Jetzt; ein Dies-Sein, So-Sein oder eine Ist-heit jedes und aller Augenblicke, jenseits jeglicher Konzeptualisierungen, doch so simpel und offensichtlich wie die Person, die diese Seite liest; das zwitschernde Lied eines Rotkehlchens oder der Durst löschende erste Schluck Eistee an einem heißen Sommertag.
Das ist nicht die Religion Ihres Vaters und auch nicht die Religion Ihrer Mutter und mit Sicherheit nicht die Ihrer Großeltern. Und doch berichtet die große Mehrheit der Individuen, welche die Stufen des dritten Bogens/Ranges erreichen, dass Realität eine Version eines unendlichen/ewigen Urgrunds allen Seins ist. Aber diese transpersonale Realität steht den magischen und mythischen Vorstellungen des präpersonalen und prä-rationalen Bogens am entgegengesetzten Ende des Spektrums der menschlichen Entwicklung gegenüber. Beide sind tatsächlich so unterschiedlich wie Nacht und Tag, und das Mindeste ist, dass wir unbedingt aufhören müssen, sie miteinander zu verwechseln.
Doch die Medien, um nur eines der offensichtlichsten Beispiele zu geben, verwechseln Prä und Trans völlig. Jede transpersonale, nichtduale Spiritualität wird ohne Federlesen in die präpersonale Mülltonne gestopft und mit deren Inhalt verrührt. Die Medien erkennen ausschließlich prä-rationale Formen von Spiritualität. (Noch schlimmer wird das dadurch, dass die Presse offensichtlich nur zwei Typen von Religion erkennt: fundamentalistische Spinner und New-Age-Spinner. Beide sind natürlich prä-rational, wobei der Fundamentalist an bernsteinfarbene Dogmen und Mythen und der New-Age-Anhänger an magentafarbene Magie glaubt. Jede trans-rationale Orientierung, wie die transpersonale Psychologie, wird mit den New-Age-Spinnern über einen Kamm geschoren. Aber zum Teufel mit den New-Age-Leuten, die nimmt man gar nicht so ernst, dass man sich überhaupt Gedanken über sie macht.)
…
In der Tat, Nacht und Tag. Es lohnt sich also zu wiederholen, dass diese beiden diametral entgegengesetzten Formen „nicht-rationaler Spiritualität“ (Prä und Trans) mindestens von der Presse oder von jedem, der lesen kann, ohne mit den Lippen mitzubuchstabieren, erkannt werden müssen.
Offensichtlich trifft die Beschreibung „spirituell, aber nicht religiös“ häufig auf diesen dritten Bogen zu. Und selbst wenn sich Menschen, die sich so beschreiben, nicht permanent auf diesen höheren, transpersonalen Wellen befinden, scheinen viele von ihnen intuitiv um diese höheren Realitäten zu wissen. Sie wollen keine egozentrische, magische, oder ethnozentrische, mythische Religion, triefend vor Dogmen, Glaubensbekenntnissen und Überzeugungen, die auf Ideen beruhen. Sie wollen die unmittelbare Erfahrung jenseits von Worten und Ideen, eine supramentale, trans-rationale, post-konventionelle Spiritualität mit ihrem unmittelbaren Gewahrsein und ihrem strahlenden Bewusstsein. Sie sind tatsächlich spirituell, aber nicht religiös. Und sie behaupten, sich eines nichtdualen, leeren, offenen, weiträumigen, unendlichen, nicht qualifizierbaren So-Seins, oder wie immer wir diese spezielle Rosensorte nennen wollen, unmittelbar gewahr zu sein.
Noch einmal Prä-/Post-Verwechslung
Entschuldigen Sie, wenn ich das hier so unverblümt sage, aber die größte Sauerei, wenn es um „Gott“ oder „GEIST“ oder „absolute Realität“ geht, ist die, dass das Ganze in einer verblüffend fetten Prä-/Post-Verwechslung festklemmt. Die prä-rationalen und die trans-rationalen Versionen von Spiritualität sehen für das ungeschulte Auge ähnlich oder sogar identisch aus, einfach weil beide „nicht-rational“ sind, und deswegen werden sie von jedem, der in dieser Prä-/Trans-Verwechslung gefangen ist, grundsätzlich gleich behandelt, obwohl es sich hier in Wirklichkeit um weit auseinanderliegende, entgegengesetzte Pole handelt. Und Nacht und Tag verwechseln heißt, die trans-rationalen Stufen nichtdualen Bewusstseins – von denen es heißt, dass sie, wo immer sie auftauchen, höchste Freiheit und Fülle und eine umfassende Befreiung von Entfremdung, Gespaltenheit und Leid eröffnen – gründlich verwechseln mit den prä-rationalen Stufen eines mythischen Gottes – Stufen, die eindeutig mehr menschlich fabriziertes Leid geschaffen haben als jeder andere Faktor in der Geschichte. Wir halten die Mittel für unsere Befreiung für die Ursache des Großteils unseres Leidens. Und wenn wir dann weglaufen vor dem, was die Ursache unseres Leidens zu sein scheint, laufen wir vor unserer Rettung davon.
Das ist, finde ich, ziemlich übel. ... (Wir brauchen so etwas wie "GEIST reloaded". Ich bereite mir selbst körperliche Schmerzen, wenn ich immer wieder sehen muss, wie hilfesuchende Menschen von Heerscharen von prä-rationalen Magiern und religiösen Eiferern in dieser fürchterlichen Hölle des Unbewussten festgehalten und bestärkt werden.)
Gleichzeitig wollen wir ehrlich sein, was die Zahlen betrifft. Untersuchungen zeigen immer wieder, dass sich etwa 70 % der Weltbevölkerung auf der ethnozentrischen Ebene oder niedrigeren Ebenen der Entwicklung befinden. Das heißt, auf oder unter mythisch, Bernstein, Konformist. (Für die Bernstein-Höhe siehe: „Stufen des Bewusstseins“) Anders gesagt, etwa 70 % der Weltbevölkerung sind von ihrer spirituellen Orientierung her Fundamentalisten (oder niedriger). Etwa 30 % befinden sich auf dem zweiten Bogen (Orange bis Türkis). Und weniger als 1 % sind stabil auf den transpersonalen Stufen verankert. Aber diese transpersonalen Stufen existieren. Es gibt sie, und sie sind für jeden zugänglich, der – um dort hinzugelangen – beschließt, mit einer transformativen Praxis zu beginnen. (Zum Beispiel mit der meditativen Schulung des Geistes bei gleichzeitiger Aktivierung subtiler Energien, die für Heilungszwecke genutzt werden können, wie wir dies bei MYSTIK 2.1 praktizieren.)
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„In der sogenannten spirituellen Szene hält sich unverändert der feste prä-rationale Glaube an die reale Existenz "höherer Wesen" - und zwar, was hier entscheidend ist, als tatsächlich reale Seins-Welt, die unabhängig von mir existiert. In Folge dieser "aus alten Zeiten" überlieferten Überzeugung (Man überlege kurz, welches Bewusstsein in alten Zeiten dachte und die Tradition begründete?) wimmelt es nun auch in DIESER Welt von allen möglichen „Geisthelfern“, „Engeln“, „höheren Wesenheiten“ und „magischen Eingriffen“. Und jeder der davon "Erleuchteten" ist zutiefst davon überzeugt, es hier mit einer "objektiven" ontologischen Realität zu tun zu haben - also mit einer Seins-Ebene oder einer "höheren Realität", die UNABHÄNGIG VOM EIGENEN BEWUSSTSEIN existiert und ergo prinzipiell für jeden sichtbar sein müsse - der kategoriale Irrtum namens "Mythos des Gegebenen".
Genau diese universale und kulturübergreifende "Verfügbarkeit" existiert aber nicht - ein nicht zu leugnender Umstand. Die schlichte Annahme der Erkenntnis, dass die EXISTENZ meiner "außersinnlichen" Erscheinungen etwas mit MIR zu tun haben könnte, also mit meiner Art und Weise, die Welt wahrzunehmen, sollte dann den nächsten bewussten Schritt ermöglichen, nämlich das EIGENE Bewusstsein mindestens als "Mit-Erzeuger" dieser Phänomene ins geistige Boot zu holen: "Wenn sich mein Bewusstsein in holarchischer Weise zu immer angemesseneren Sichtweisen entwickelt - und genau das tat es seit meiner Geburt -, dann müssten sich eigentlich auch meine Wahrnehmungen, meine Deutungen der Welt, entwickeln und verändern." - Richtig. Und bei weiterer Entwicklung "verschwinden" dann irgendwann alle mythologisch konstruierten Engel und Geisthelfer. Seltsam, nicht wahr? Prüfen Sie bitte: Was verbindet, sagen wir, die Erscheinung eines Engels mit Ihrem wahrnehmenden Bewusstsein? Wann kommt er, wann nicht? Und was hat das mit Ihnen zu tun?
Diese Phänomene "betrachten die erleuchteten Meister als Illusionen und Einbildungen der trügerischsten Art, als makyo oder 'diabolische Phänomene', wie man etwa im Zen sagt. ...
Für all jene jedoch, die nach der Ebene des GEISTES streben, sind sie nichts als störende und schädliche Ablenkungen, die man so schnell wie möglich hinter sich lassen muss." (Wilber).
Jeder von uns wird auf Ebene "Null" geboren und jeder durchläuft die magisch-mythischen Ebenen des Bewusstseins (Ich erinnere mich noch gut an den Weihnachtsmann ...). Diese Ebenen sind nicht das Problem. Ganz oder teilweise auf diesen Ebenen "stecken zu bleiben", das ist das Problem. Möge jedem also eines Tages ein gesünderes, erwachteres Ego begegnen und behutsam - notfalls auch mit leidenschaftlicher Strenge - zu einer reiferen Sicht verhelfen. Jesus verzichtete im Tempel auf das einfühlsame Zweiergespräch mit den Geldwechslern und Händlern - statt dessen schmiß er ihre Tische um, beschädigte ihr Eigentum und drohte ihnen mit einer selbstgebastelten Peitsche. Und immer wieder ermutigte er zum Umdenken, zum Nachdenken, zur Befreiung von einengenden Sichtweisen: "Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat.“
Befreie dich. Entlasse "deine" Engel. Schenke ihnen die Freiheit.
Werde selbst zum Engel ...
CARSTEN RACHOW
