CARSTEN RACHOW GEISTiges Heilen

Ist Gott oder GEIST real oder nicht?

Manche Menschen – zu denen auch mich zähle – sagen heute, sie seien „spirituell, aber nicht religiös“, und wollen damit auch zum Ausdruck bringen, dass sie entlang ihrer spirituell-religösen Entwicklungslinie zu einer weniger religiös-begrenzten Sicht auf „Gott und die Welt“ gefunden haben (siehe dazu auch: "Spirituelle Erfahrungen - warum es viele Christusse gibt"). Die traditionellen und institutionalisierten Rituale, Dogmen, Glaubensgebote und Mythen der Religionen berühren mich nicht (mehr) sonderlich, sie verströmen – als Relikte der prä-rationalen Stufen menschlicher Entwicklung - den Odem des Alten und Verbrauchten. (Gleichwohl haben sie für viele, für sehr viele Menschen eine enorme "spirituelle" Bedeutung und deshalb ihre absolute Berechtigung. Und jeder Heiler, der unter Einbeziehung dieser Mythen etwa als "christlicher Genesungshelfer" arbeitet und die Menschen in ihrer Seele berührt, leistet kostbare Hilfe und hat meinen vollen Respekt.)

 

Unter „spirituell“ verstehe ich eine von persönlicher Erfahrung und Erkenntnis geführte Berührung des Höchsten, eine tiefe innere Realität und ein unmittelbares Gewahrsein, das dem Leben ein zutiefst stärkendes Gefühl von Einheit in der Vielfalt, von intuitivem Verstehen und vor allem von lebendiger Freude verleiht. GEIST (oder Gott, das Eine, Brahman, Allah – wie immer Sie es nennen) ist dann – einmal „entdeckt“, einmal geschmeckt und gefühlt und in dir aufgetaucht – eine so reale und zugleich subtile Erfahrung, dass alle heiligen Schriftworte dagegen verblassen. Und wenn Sie sich vom folgenden Text berührt fühlen, wissen Sie auch, warum …

 

Ihr

Carsten Rachow

Ist GEIST real oder nicht?

 

(gekürzt zitiert aus: Ken Wilber, „Integrale Vision“, Kösel-Verlag 2009;

fett gedruckte Hervorhebungen von Carsten Rachow)

 

Können wir jetzt vor dem Hintergrund dieser ganzen Forschung über höhere Zustände und Stufen von Gewahrsein mit einiger Zuverlässigkeit sagen, ob es einen realen GEIST, eine reale Göttlichkeit, einen realen Urgrund allen Seins gibt?

Ich wiederhole, um diese höchste Frage zu entscheiden, ist es hilfreich, die Antworten von Menschen heranzuziehen, welche sich auf den höchsten Entwicklungsstufen befinden, denken Sie nicht auch? Nicht dass wir alles glauben müssen, was sie sagen, aber wir können überprüfen, ob sie in Bezug auf dieses Thema eine Art konsistente Antwort geben.

 

Wie Sie sich vielleicht schon gedacht haben, ist das tatsächlich der Fall. Und wie ich bereits an früherer Stelle erläutert habe, wird der absolute Urgrund allen Seins nicht mit magischen oder mythischen Begriffen beschrieben oder als etwas jenseits dieser unserer Welt, das in Bezug auf diese transzendent ist, sondern vielmehr als So-Sein oder Dies-Sein dieser Welt oder sogar als Leerheit all dessen, was entsteht (wobei „Leerheit“ die nicht qualifizierbare Offenheit oder Transparenz jedes Augenblicks meint). Manche beschreiben diesen Urgrund mit Begriffen, die auf die Existenz einer höchsten Intelligenz, eines gegenwärtigen GEWAHRSEINs oder eines unendlichen BEWUSSTSEINs verweisen.

 

Wir reden hier nicht von einer mythischen, dualistischen Intelligenz, die Dinge mit Überlegung entwirft, so wie ein Uhrmacher Uhren herstellt. Vielmehr handelt es sich hier um eine Intelligenz, die ein Ding kennt, indem sie es ist und zugleich hervorbringt. GEIST ist das Subjekt all dessen, was existiert, sodass Wissen und Sein oder Subjekt und Objekt eins sind in einer nichtdualen Präsenz. Wird er als Subjekt beschrieben, ist dieses so frei von Objekten, dass keine Beschreibung es jemals erfassen kann – ein weiter, offener Zeuge, eine absolute Subjektivität, ein spiegelnder Verstandesgeist, der eins ist mit seinen Spiegelungen und sie alle unvoreingenommen, gleich, mühelos und spontan widerspiegelt, ein Großer Geist, der unaufhörlich alles umfasst und doch ganz hier und jetzt ist. Wird er mit Begriffen des Seins beschrieben, ist er keine ontologische Substanz, sondern das So-Sein oder die Ist-heit der Dinge vor allen Vorstellungen, Gefühlen, Gedanken und Bildern, aber hier und jetzt leicht zu berühren als simples Seinsgefühl.

In persönliche Begriffe gefasst, ist GEIST eine Göttlichkeit jenseits jedes Gottes und jeder Göttin, eine grenzenlose Intelligenz, aus der alle Dinge in diesem Augenblick hervorgehen. Ewig ist er nicht als etwas, das immer dauert, sondern das immer präsent ist, da das zeitlose Jetzt ohne Zeit ist. … Mit anderen Worten, nicht etwas, das in der Zeit auf ewig weiter voranschreitet, sondern ein Augenblick ohne jede Zeit überhaupt. Endloser Augenblick, der er ist, erweist er sich als zeitloses Hier und reine Präsenz, die alle Zeit in ihrer Handfläche hält, sofern wir wissen, wo er zu finden ist.

 

Es gibt so viele „Beschreibungen“ dieses GEISTes, wie es Menschen gibt, die sich auf den ultravioletten Wellen des Bewusstseins entfalten (Anm. CR: „ultraviolett“ meint „superintegral“ und damit eine der höchsten transpersonalen Stufen). Und doch stimmen sie alle darin überein, dass GEIST – unter welchem Namen auch immer und über jeden Multikulturalismus hinaus – der Urgrund und das Ziel aller Existenz ist, eine unendliche Realität, die hinter, jenseits, über, in und als das gesamte manifeste Universum existiert.

 

Gibt es einen Beweis für diesen Gott? Ja, absolut, und hier ist er: Entwickeln Sie sich bis zu den ultravioletten Wellen Ihres eigenen Gewahrseins und schauen Sie nach. Schmecken, berühren, fühlen, atmen Sie und sagen Sie, was Sie sehen.

Doch eines ist sicher: Das ist kein mythischer Gott, kein wissenschaftlicher Materialismus, kein Pluralismus. Alle drei versagen, wenn es darum geht, befriedigende Antworten auf das Rätsel der Existenz zu geben, und zwar genau aus folgendem Grund: Sie waren noch nicht ganz genug, um das Große Bild Ihres eigenen Seins, Ihres eigenen Werdens und Ihres eigenen Erwachens sehen zu können.

 

… GEIST ist genau dieses Gewahrsein, das auf den verschiedenen Ebenen seiner eigenen Entwicklung auftaucht, dasselbe Gewahrsein, das im Stein schläft, sich in der Pflanze regt, sich im Tier bewegt, im Menschen erwacht und im erwachten Weisen zu sich selbst zurückkehrt. Und was am außergewöhnlichsten ist, wir alle – auch Sie und ich – sind eingeladen, selbst erwachte Weisen zu werden.

 

 

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Wie sich GEIST oder Gott als „heilige Dreifaltigkeit“ in der manifesten Welt präsentiert, darüber erzählt der fortführende Text: „Das 1-2-3 Gottes.“